«Auf die Zwillinge folgten die Flechten...»

Barbara Schibli, Autorin und Deutschlehrerin an der Kantonsschule Baden, stellte am Freitagabend, 16. November 2016, ihren beim Dörlemann-Verlag erschienenen Erstling «Flechten» vor. Drei Abteilungen der KSWE und einige Lehrpersonen nahmen an der von den Fachschaften Biologie und Deutsch organisierten Veranstaltung teil.

Nach einer kurzen Lesung erläuterte die Autorin in einem ersten Gespräch mit Werner Bänziger, welche Etappen das im Sommer letzten Jahres erschienene Buch zurückgelegt hatte. Ganz am Anfang stand, so die Autorin, der Auftrag, für eine Literaturzeitschrift einen Text zu Zwillingen zu schreiben. Daraus entwickelte sich nach und nach die Erzählung über Anna Baselgia und ihre sie immerfort fotografierende Schwester Leta. Die motivisch bedeutsame Flechten-Thematik kam später hinzu. Insgesamt hat Barbara Schibli rund zehn Jahre benötigt, um dem Buch eine definitive Form zu geben. Für ihre persönliche Motivation nicht unwesentlich waren zwei Literaturpreise, die sie noch vor der Publikation erhalten hatte: 2016 den Studer/Ganz-Preis und 2017 den GEDOK-Literaturförderpreis.

Nach weiteren Kurzlesungen führte Monika Langmeier mit einer opulenten und sachkundig gestalteten Powerpoint ins Leben der symbiotischen Lebensgemeinschaft der Flechten ein. Flechten sind, so Monika Langmeier, nicht nur hervorragende Bioindikatoren, die über die Luftqualität Auskunft geben, sondern sie stellen auch eine Symbiose zwischen Pilz und Alge dar. Ob naturwissenschaftlich oder literarisch interessiert: Alle Teilnehmenden mussten schmunzeln, als sie erfuhren, dass das Gleichgewicht zwischen Pilz und Alge gerne verlorengehe. Die Bezüge zur Handlung des Buches waren naheliegend: Einerseits leuchtet in der Erzählung die Frage auf, wie Individualismus funktionieren kann, wenn man nicht einzigartig ist, anderseits hat die Verflechtung von Anna mit Leta ein Ausmass angenommen, das für beide nicht mehr erträglich ist.

Nach einer Frage- und Diskussionsrunde schloss die rund 90 Minuten dauernde Veranstaltung ab. Wer daran teilnahm, konnte in der Gewissheit nach Hause gehen, dass es schmerzhafte Prozesse sind, die aus Texten Literatur entstehen lassen, zudem wurde ersichtlich, dass selbst so unterschiedliche Fächer wie Biologie und Deutsch in einer befruchtenden Beziehung stehen können.

 
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