Premiere des Theaters Junge Marie

In der Turnhalle. Die Zuschauer sitzen auf den schmalen Bänkli und am Boden, zwischen Matten, vor dem Schwedenkasten, rechts steht ein Barren, einige richten sich davor ein. Da ist auch ein Trampolin vor dicken Matten. Wer liegt dort oben? Plötzlich humpelt eine weisse Figur an Krücken rein, sie schimpft vor sich hin, was sagt sie? Das sind ja gar keine Sätze, was soll das? Dann schwingen sich zwei fröhliche Mädchen in rosa und weiss vom Hochsitz der Matten runter, rennen durch die Zuschauer am Boden, sie jagen sich ausgelassen.

Am vergangenen Mittwoch durften sechs Abteilungen der 1. Klassen ein ausserordentliches Theaterereignis erleben. In der Turnhalle wurde die Adaption des Märchens Schneeweisschen und Rosenrot vom Theaterensemble Junge Marie aus Aarau aufgeführt.

Die temperametvolle Rosa und die etwas scheue Blanca flüchten sich in den Wald, die Schule mit alle den selbstgefälligen Zeitgenossen widert sie an, sie suchen die grosse Freiheit im Wald, wo sie sich mit den Waldtieren vergnügen, ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Ihre Mutter - sie besucht sie regelmässig in schicker Glitzerkleidung - versucht die beiden wieder in die Stadt zu locken, umsonst. Plötzlich taucht ein attraktiver Bär auf, die beiden Schwestern, bis anhin ein Herz und eine Seele, werden zu Konkurrentinnen. Die Mutter ist beunruhigt, der Bär ist ihr unheimlich, sie wittert Gefahr und warnt, der Bär ist kein guter Umgang für ihre Töchter. Vergeblich. Der Bär ist zu charmant, zu cool, er muss doch einfach toll sein. Das Ende der Geschichte ist unerwartet, erschreckend, ernüchternd. Die Mutter rettet, was zu retten ist, mehr kann sie nicht tun.

In anschliessenden Gesprächsrunden besprachen die Schülerinnen und Schüler mit dem Ensemble die einzelnen Figuren – sie reflektierten auch die Wirkung des Bärs, der die Innigkeit der Schwestern unvermittelt auseinanderbrechen lässt. Ein Schüler stellte später in der Deutschstunde fest: ’Die Mutter hat alles richtig gemacht.’ Was für eine Bemerkung! Und doch konnte sie Schlimmes nicht verhindern.

Ein unvergessliches Theatererlebnis: Die Zuschauer werden Teil der Geschichte, dynamische Szenenwechsel fesseln das Publikum bis zum bitteren, leider manchmal auch realitätsnahen Ende.

 

 
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